[Darstellung Größer 1 wählen.] [zum Inhalt (Taste Alt+8).] [zur Auswahl (Taste Alt+7).] (Taste Alt+6).

Andreas Schluricke.

Ein guter Tag für alle, die sich eh­ren­amt­lich im Ver­ein en­ga­gie­ren :

Bundespolitik

Der Deut­sche Bun­des­tag hat in der vergangenen Woche zwei Ge­set­ze zu Ver­bes­se­run­gen im Ver­eins­recht be­schlos­sen, ins­be­son­de­re eine Haf­tungs­be­gren­zung für eh­ren­amt­lich tä­ti­ge Ver­eins­vor­stän­de und Vor­schrif­ten, mit denen elek­tro­ni­sche An­mel­dun­gen zum Ver­eins­re­gis­ter er­leich­tert wer­den.

Über­dies kann beim Bun­des­mi­nis­te­ri­um der Jus­tiz ab heute kos­ten­los eine In­for­ma­ti­ons­bro­schü­re zum Ver­eins­recht be­stellt wer­den. Darin wer­den ein­fach und ver­ständ­lich alle Fra­gen rund um die Grün­dung, die Ge­schäfts­füh­rung und die Auf­lö­sung eines Ver­eins be­ant­wor­tet.

"Heute ist ein guter Tag für alle, die sich eh­ren­amt­lich im Ver­ein en­ga­gie­ren. Mit den bei­den heute be­schlos­se­nen Ge­set­zen ver­bes­sern wir die recht­li­chen Rah­men­be­din­gun­gen für das Eh­ren­amt. Die Neu­re­ge­lun­gen brin­gen eine an­ge­mes­se­ne Be­gren­zung der zi­vil­recht­li­chen Haf­tung für eh­ren­amt­li­che Ver­eins-​ und Stif­tungs­vor­stän­de - sie wer­den künf­tig nur noch für Vor­satz und grobe Fahr­läs­sig­keit ein­ste­hen müs­sen. Zudem schaf­fen wir die Mög­lich­keit, An­mel­dun­gen zum Ver­eins­re­gis­ter auf elek­tro­ni­schem Weg zu er­le­di­gen. Für alle, die sich kun­dig ma­chen wol­len, wie man einen Ver­ein grün­det und wor­auf man dabei ach­ten muss, haben wir eine ak­tu­el­le In­for­ma­ti­ons­bro­schü­re zum Ver­eins­recht, die ab heute kos­ten­los beim Bun­des­jus­tiz­mi­nis­te­ri­um be­stellt wer­den kann. In den über 550.000 ein­ge­tra­ge­nen Ver­ei­nen in Deutsch­land wird un­schätz­bar wich­ti­ge Ar­beit für Sport, Kul­tur und So­zia­les ge­leis­tet. Uns geht es darum, das En­ga­ge­ment die­ser Men­schen, die sich selbst­los für das Ge­mein­we­sen ein­set­zen zu un­ter­stüt­zen und zu för­dern. Denn das bür­ger­schaft­li­che En­ga­ge­ment ist eine tra­gen­de Säule un­se­rer Ge­sell­schaft", sagte Bun­des­jus­tiz­mi­nis­te­rin Zy­pries heute in Ber­lin.
Zu den Vor­ha­ben im Ein­zel­nen:

a) Haf­tungs­be­gren­zung für Ver­eins-​ und Stif­tungs­vor­stän­de

Das heute vom Deut­schen Bun­des­tag in zwei­ter und drit­ter Le­sung be­schlos­se­ne Ge­setz zur Be­gren­zung der Haf­tung von eh­ren­amt­lich tä­ti­gen Ver­eins­vor­stän­den be­inhal­tet an­ge­mes­se­ne Haf­tungs­er­leich­te­run­gen für Ver­eins-​ und Stif­tungs­vor­stän­de, die un­ent­gelt­lich tätig sind oder für ihre Tä­tig­keit ein ge­ring­fü­gi­ges Ho­no­rar von ma­xi­mal 500 Euro im Jahr er­hal­ten. Diese Wert­gren­ze ori­en­tiert sich an dem Steu­er­frei­be­trag für Ver­eins­vor­stän­de. So wird ge­währ­leis­tet, dass Ver­ei­ne und Vor­stands­mit­glie­der die vor­ge­se­he­nen steu­er­recht­li­chen Ver­güns­ti­gun­gen ohne ne­ga­ti­ve haf­tungs­recht­li­che Fol­gen aus­schöp­fen kön­nen.

"Wer sich eh­ren­amt­lich im Ver­ein en­ga­giert, darf nicht dem vol­len Haf­tungs­ri­si­ko aus­ge­setzt sein. Daher be­grü­ße ich die Ein­füh­rung einer zi­vil­recht­li­chen Haf­tungs­be­gren­zung für eh­ren­amt­lich tä­ti­ge Ver­eins­vor­stän­de. Es freut mich, dass der Deut­sche Bun­des­tag auch die Vor­schlä­ge auf­ge­grif­fen hat, diese Haf­tungs­be­gren­zung auf Vor­stands­mit­glie­der aus­zu­wei­ten, die als An­er­ken­nung für ihre Tä­tig­keit eine ge­rin­ge steu­er­freie Ver­gü­tung er­hal­ten, und sie zudem auch auf die Vor­stän­de von Stif­tun­gen zu er­stre­cken", un­ter­strich Zy­pries.

Das heute im Bun­des­tag be­schlos­se­ne Ge­setz sieht vor, dass Vor­stands­mit­glie­der, die un­ent­gelt­lich tätig sind oder le­dig­lich eine Ver­gü­tung von höchs­tens 500 Euro im Jahr er­hal­ten, für ihre Vor­stands­tä­tig­keit nur noch bei Vor­satz und gro­ber Fahr­läs­sig­keit haf­ten.

Bei­spiel: Um die Ver­eins­kas­se zu ent­las­ten, or­ga­ni­siert der Vor­stand eines Ten­nis­ver­eins für den Ver­ein­spark­platz einen Win­ter­dienst durch Ver­eins­mit­glie­der. Das für die Dienstein­tei­lung zu­stän­di­ge Vor­stands­mit­glied über­sieht ver­se­hent­lich eine E-​Mail, mit der sich ein für den Win­ter­dienst vor­ge­se­he­nes Ver­eins­mit­glied krank mel­det. Nach er­gie­bi­gen Schnee­fäl­len in der Nacht fährt am 12. Fe­bru­ar 2009 vor­mit­tags ein Ver­eins­mit­glied auf dem nicht ge­räum­ten Ver­ein­spark­platz glät­t­e­be­dingt mit dem Auto gegen einen Zaun­pfei­ler. Da dem zu­stän­di­gen Vor­stands­mit­glied nur ein­fa­che Fahr­läs­sig­keit vor­zu­wer­fen ist, haf­tet es weder ge­gen­über dem Mit­glied für den Scha­den am Auto noch ge­gen­über dem Ver­ein für den Scha­den am Zaun.

Schä­digt das Vor­stands­mit­glied nicht den Ver­ein oder des­sen Mit­glie­der, son­dern Drit­te, wird die Haf­tung ge­gen­über dem Drit­ten nicht be­schränkt. Al­ler­dings hat der Ver­ein das Vor-​stands­mit­glied von der Haf­tung ge­gen­über dem Drit­ten frei­zu­stel­len, so­fern das Vor­stands-​mit­glied nicht grob fahr­läs­sig oder vor­sätz­lich ge­han­delt hat.

Bei­spiel: Der Un­fall auf dem Ver­ein­spark­platz be­trifft nicht das Auto eines Ver­eins­mit­glieds, son­dern den Lie­fer­wa­gen eines vom Ver­ein be­auf­trag­ten Hand­wer­kers. Der Hand­wer­ker kann vom Vor­stands­mit­glied den vol­len Er­satz des ihm ent­stan­de­nen Scha­dens for­dern. Das Vor­stands­mit­glied kann je­doch in­tern vom Ver­ein ver­lan­gen, das die­ser dem Hand­wer­ker den Scha­den­er­satz leis­tet.

b) Elek­tro­ni­sche An­mel­dun­gen zum Ver­eins­re­gis­ter

Mit dem vom Bun­des­tag be­schlos­se­nen Ge­setz zur Er­leich­te­rung elek­tro­ni­scher An­mel­dun­gen zum Ver­eins­re­gis­ter und an­de­rer ver­eins­recht­li­cher Än­de­run­gen wer­den die noch not­wen­di­gen Vor­aus­set­zun­gen zur Zu­las­sung elek­tro­ni­scher An­mel­dun­gen zu den Ver­eins­re­gis­tern ge­schaf­fen.

"Viele Ver­eins­re­gis­ter wer­den in den Län­dern be­reits elek­tro­nisch ge­führt. Jetzt haben wir die Vor­aus­set­zun­gen ge­schaf­fen, dass auch alle An­mel­dun­gen zum Ver­eins­re­gis­ter elek­tro­nisch er­fol­gen kön­nen. Dabei war mir wich­tig, dass die elek­tro­ni­sche An­mel­dung keine Pflicht, son­dern eine zu­sätz­li­che Mög­lich­keit dar­stellt. So kann jeder Ver­ein selbst ent­sche­den, wel­che Form der An­mel­dung für ihn die ein­fachs­te ist", sagte Bun­des­jus­tiz­mi­nis­te­rin Zy­pries.

Das Ge­setz schafft zu­sam­men mit der FGG-​Re­form die bun­des­recht­li­chen Vor­aus­set­zun­gen, damit die Län­der alle An­mel­dun­gen zum Ver­eins­re­gis­ter - von der Er­st­an­mel­dung bis An­mel­dung der Be­en­di­gung eines Ver­eins - auch durch elek­tro­ni­sche Er­klä­run­gen zu­las­sen kön­nen. An­ders als bei den Han­dels-​, Ge­nos­sen­schafts-​ und Part­ner­schafts­re­gis­tern blei­ben beim Ver­eins­re­gis­ter aber wei­ter­hin alle An­mel­dun­gen auch in Pa­pier­form mög­lich. Denn die Län­der kön­nen die elek­tro­ni­sche An­mel­dung nur neben der An­mel­dung in Pa­pier­form vor­se­hen.

Neben den Vor­schrif­ten zur elek­tro­ni­schen An­mel­dung ent­hält das Ge­setz wei­te­re re­gis­ter­recht­li­che Än­de­run­gen, die An­mel­dun­gen und Ein­tra­gun­gen er­leich­tern und den In­for­ma­ti­ons­wert des Ver­eins­re­gis­ters er­hö­hen. Zudem wer­den ei­ni­ge über­hol­te Vor­schrif­ten aus dem Ver­eins­recht auf­ge­ho­ben, an­de­re an die zwi­schen­zeit­li­che Rechts­ent­wick­lung an­ge­passt.

Über die heute im Bun­des­tag be­schlos­se­nen Ge­set­ze muss noch im Bun­des­rat ent­schie­den wer­den. Er wird sich mit den bei­den Ge­set­zen vor­aus­sicht­lich im Sep­tem­ber be­fas­sen.

c) Neue Bro­schü­re des Bun­des­mi­nis­te­ri­ums der Jus­tiz: Leit­fa­den zum Ver­eins­recht

"Wer sich eh­ren­amt­lich in Ver­ei­nen en­ga­giert, braucht nicht nur ein gutes Ver­eins­recht, son­dern auch ver­ständ­li­che In­for­ma­tio­nen über die­ses Recht. Von der Grün­dung über den Be­trieb bis zur Be­en­di­gung eines Ver­eins ist Vie­les zu be­ach­ten. Das Bun­des­jus­tiz­mi­nis­te­ri­um bie­tet hier­zu einen Leit­fa­den zum Ver­eins­recht an, der auf viele Fra­gen Ant­wort gibt. Ab heute kann die­ser Leit­fa­den kos­ten­los in ge­druck­ter Form be­zo­gen wer­den", sagte Bun­des­jus­tiz­mi­nis­te­rin Zy­pries. Der Leit­fa­den zum Ver­eins­recht wen­det sich ins­be­son­de­re an Ver­eins­grün­der, Ver­eins­mit­glie­der und Ver­ei­ne. Er gibt einen Über­blick zu den Fra­gen der Grün­dung und Füh­rung eines Ver­eins. Und er in­for­miert über die we­sent­li­chen Rech­te und Pflich­ten der Ver­eins­mit­glie­der und -​or­ga­ne.

(PM des BMJ vom 2.7.09; mehr Informationen: http://www.bmj.bund.de

 

- Zum Seitenanfang.