Leben wie Gott in Polen?
Was soll das denn sein?
Haben Sie sich das auch gefragt?
Die zweite Ausgabe des Magazins polenplus wird der Frage nachgehen, wie es sich heutzutage so lebt in Polen. Eher göttlich? Oder doch eher irdisch mit allem, was so dazu gehört? Wir haben beides gefunden. Polen ist ein Land voller Widersprüche.
Das alte polnische Sprichwort: „Hoffnung nährt, aber macht nicht fett!" war Anlass, uns mit polnischen Lebensläufen zu beschäftigen. Joasia und Tomek beispielsweise leben in Warschau und verlassen Polen, um nach Irland zu gehen. Wir haben sie gefragt, warum eine junge polnische Familie diesen Schritt wagt und welche Hoffnungen und Ängste sich mit dem Weggang aus den gewohnten Strukturen verbinden.
Bürgermeister Sontowski hat einen Dickschädel. Geht nicht - gibt es bei ihm nicht. Er passt in keine Partei und er hat die Arbeitslosigkeit in seinem Verwaltungsbezirk innerhalb von zwei Jahren von fast dreißig Prozent auf nicht mehr unterbietbare vier Prozent gesenkt. Er kennt die Menschen, die ihn gewählt haben und sie vertrauen ihm. Er hat uns erzählt, was ihn erfolgreich macht.
Die Politikwissenschaftlerin Gesine Schwan hat Polen in den achtziger Jahren des vergangenen Jahrhunderts kennen und lieben gelernt. Für sie begann in Polen die Flamme der "Freiheit im Herzen Europas" zu lodern.
Dass man das Glück kaufen kann und dass Mohrrüben besser schmecken, wenn sie mit einem Lächeln verkauft werden, beschreibt die polnische Autorin Grażyna Ruszewska. Weil Glück manchmal aus den Erinnerungen, Gerüchen, Augenblicken längst vergangener Tage an die Oberfläche der Wahrnehmung hochsirrt, einen Augenblick verharrt und so ganz beiläufig bei einem Gang über einen Markt längst vergangene Kindertage, Feste mit Freunden, gemeinsame Mahlzeiten wieder heraufbeschwört.
Die polnische Autorin Olga Tokarczuk hat einen Text über Wahrnehmung und das Schaffen von Wirklichkeiten mittels literarischer Sprachschöpfungen geschrieben. "Forelle in Mandel" ist so eine Schöpfung.
Veränderte Essgewohnheiten verdeutlichen oft veränderte Lebensgewohnheiten. Die Kolumnistin der polnischen "Elle" Hanna Dąbrowska schreibt über neue Trends in der polnischen Küche in Warschau. Wir haben sie gebeten, einen Beitrag über Trends beim Trinken von gewöhnlichem Wasser zu schreiben. "Wasser auf polnische Mühlen" ist ein Text über etwas so Unbeständiges wie Wasser, was jeden Menschen beständig umgibt.
Die polnische Küche ist geprägt von einfachem, nahrhaftem Essen. Piroggen kennt wohl jeder. Deshalb kommt niemand, der über die polnische Küche schreibt, um diese urwüchsige kleine Teigtasche herum. Wir auch nicht! Lassen Sie sich davon überraschen, wie vielfältig sich die ins kochende Salzwasser geworfene, gebratene, gefüllte kleine Urpolin beschreiben lässt. Sie wurde bedichtet, besungen, in Geschichten erwähnt und in Sehnsuchtstexten beschworen. Freuen Sie sich auf die ultimative Hymne auf die Pirogge „Familienbande - gebuttert und geölt“ von Tomasz Rożycki. Schwelgen Sie mit!
Thomas Urban ist Korrespondent der "Süddeutsche Zeitung" in Polen. Er kennt das Land und begleitet die Veränderungen seit langer Zeit journalistisch. Er hat den Trend, sich alte Fabrikgebäude zu Lofts umzubauen beobachtet und beschreibt außerdem, wie sich im heruntergekommenen Warschauer Stadtteil Praga, ähnlich wie vor einiger Zeit in Ostberliner Bezirken, neues Leben regt. Künstler und Literaten kommen, von billigen Mieten angezogen und kreieren so ein neues Szeneviertel in Polens Hauptstadt.
Es gibt in Polen kleine quadratische Mikrokosmen. Es gibt sie in jeder Stadt, auf vielen Bahnhöfen, eigentlich überall: Die Kioske. Wer etwas braucht, geht zum Kiosk. Egal ob Zigaretten oder Taschentücher, Zwiebeln, Kaugummis, Zeitungen, Obst, Blumen, was auch immer. Der kleine Kiosk hat es bestimmt. Peter Reik hat diesem polnischen Phänomen ein liebevolles Denkmal gesetzt.
Auch dieses Mal haben wir einen kleinen Sprachführer für Sie erstellt. Er baut auf dem schon erworbenen Wissen im ersten Heft auf und liefert Sie neuen Herausforderungen aus.
Keine Sorge, das ist zu schaffen.
Studieren in Polen ist ein neuer Trend. Die polnischen Hochschulen genießen international einen hervorragenden Ruf. Viele Studiengänge werden auch in englischer Sprache angeboten. Die polnische Hochschullandschaft erlebt derzeit einen regelrechten Gründungsboom. Wir haben die wichtigsten Informationen für Sie zusammengestellt.
Leben wie Gott in Polen? Olaf Kühl hat die junge polnische Literatur auf diese Frage hin untersucht. Was er gefunden hat, ist ein vielschichtiges Textgeflecht aus Verweigerung, Verrohung, der neuen Freiheit der bunten Kaufhauswarenwelt und dem daraus resultierenden Selbstekel. Dorota Masłowska ist die Ikone dieser neuen Literatengeneration. Sie ist die "Exorzistin der polnischen Nation. Während sie die dunklen Seiten zeigt, tobt draußen der gar nicht mehr junge, immer noch hungrige Kapitalismus, gleißt die bunte Warenwelt, locken die schönen Verpackungen und wachsen die Hochhäuser in den Himmel. Es ist schon fast alles wie im Westen:
Eigentlich isst du Scheiße, aber der Teller, der ist so schön bunt."
VIEL SPASS BEIM LESEN!
Elisabeth Martha Münchow
(Chefredaktion, elisabeth.martha.muenchow@polenplus.eu)
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