Hertha-Spieler Artur Wichniarek
Berlin ist eine Sportstadt. In fast allen Sportarten weist die Bundeshauptstadt erstklassige Teams und Sportler auf. Fußball, Eishockey, Handball, Volleyball – um nur eine Auswahl zu nennen. Verständlich also, dass die Stadt mit der Nähe zu ihrem Heimatland eine große Anziehungskraft auf polnische Sportlerinnen und Sportler ausübt. Diese Athleten wollen wir in lockerer Folge vorstellen. Den Anfang macht, wie könnte es anders sein, Deutschlands populärste Sportart, der Fußball.
Falsche Pässe im Olympiastadion
Fragt man den 32jährigen Artur Wichniarek, welches Gefühl er empfindet, wenn er vor dem Spiel in das Olympiastadion einläuft, so ist seine Antwort kurz und knapp: „Gänsehaut“. Der in Posen geborene Mittelstürmer des Berliner Erstligisten Hertha BSC wurde im Sommer bereits zum zweiten Mal vom Verein verpflichtet. Nach einem Zwischenspiel in Bielefeld ist er an die Spree zurück gekehrt und versucht nun gemeinsam mit dem Team, die sportliche Krise der Blau-Weißen zu meistern. Mit dem polnischen Nationalspieler hat sich der Verein bewusst für einen Spieler entschieden, der nicht ins pflegeleichte Profil der Sportprofis passt und mit klaren Worten immer wieder dazu einlädt, dass sich die Öffentlichkeit an ihm reiben kann. „Der Begriff Pole ist doch fast schon ein Schimpfwort“ beschreibt Wichniarek die Situation im deutschen Profifußball. Er müsse mehr Leistung bringen als ein deutscher Spieler, um Respekt zu bekommen. Auch eine Ungleichbehandlung in der Bundesliga resümiert der polnische Nationalspieler. Andere, zum Beispiel Brasilianer, sprächen nach sechs Jahren immer noch kein Deutsch. „Wenn das einem Polen passiert, wie damals Bartosz Karwan in Berlin, ist er gleich im Abseits“, sagt Wichniarek.
Nähe ohne Vorteil
Piotr Reiss, Bartosz Karwan, Artur Wichniarek und Lukasz Piszcezek – das ist die durchaus überschaubare Liste polnischer Spieler in Diensten des Berliner Bundesligisten. Der Verein tut sich schwer, aus seiner Nähe zur deutsch-polnischen Grenzregion einen Vorteil zu ziehen. Werbeaktionen um Fans und Zuschauer wurden in der Vergangenheit angedacht, aber nie umgesetzt.
Rückkehr aus Lubin
Einen anderen Weg als Wichniarek ging sein Landsmann und heutiger Teamkollege, Lukasz Piszcezek. Bereits 2005 verpflichtet Hertha BSC das in Czechowice-Dziedzice geborene Talent. Zwischenzeitlich wurde der heute 24jährige für zwei Jahre an den polnischen Erstligaverein Zaglebie Lubin ausgeliehen. Mit Lubin wurde Piszcezek polnischer Meister und nutzte nach seiner Rückkehr den Schwung, um sich auch in der Bundesliga als Stammspieler zu etablieren. „Das Spieltempo ist hier wesentlich höher“, beschreibt er den Unterschied zwischen den beiden Ligen. „Man muss mehr physische Kraft aufwenden. Das Spiel ist hier viel schneller“, so Piszcezek.
Fehlende Lobby?
Wichniarek und Piszcezek sind in guter Gesellschaft. Die deutsche Bundesliga ist seit langem ein willkommenes Sprungbrett für polnische Fußballer. Über 30 von ihnen sind im Moment bei deutschen Profivereinen unter Vertrag. Jacek Krzynowek von Hannover 96 und Ebi Smolarek, bis vor kurzem bei Borussia Dortmund, sind nur zwei Beispiele dafür. Doch sie alle bleiben eher die Ausnahme. Artur Wichniarek, der Freund klarer Worte, beklagt das Fehlen einer Lobby für polnische Sportler: „Ich habe den falschen Pass. Ich kenne keinen deutschen Klub, der fünf Millionen Euro für einen Polen ausgibt - nicht mal für einen Shooting-Star wie Lech Posens Robert Lewandowski, an dem Dortmund dran war. Deutsche Klubs holen lieber für mehr Geld Spieler aus Holland.“
Andreas Schluricke (für den Infodienst der DPG-Berlin, "Spotkanie")