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Andreas Schluricke.

Buch: "Kraftmaschine Parlament" :

Service

Der SPD-Bundestagsabgeordnete Dr. Peter Danckert hat nach zehnjähriger Mitgliedschaft im Sportausschuss des Deutschen Bundestages und als Zwischenbilanz seiner Tätigkeit als Vorsitzender des Parlamentsgremiums seit November 2005 grundlegende Aspekte zu sportpolitischen Fragen veröffentlicht.

Am 10. Februar 2009 erscheint das Buch

„Kraftmaschine Parlament – Der Sportausschuss und die Sportpolitik des Bundes“ im Meyer & Meyer Verlag, Aachen. ISBN: 978-3-89899-433-0. 304 Seiten, 24 Fotos s/w, Paperback mit Fadenheftung.

Der ehemalige Bundesaußenminister Hans-Dietrich Genscher, als Bundesinnenminister (1969 bis 1974) für die Sportpolitik des Bundes zuständig, schreibt in einem Geleitwort: „So schält sich in den Ausführungen dieses Buches ein plastisches Bild des Spannungsverhältnisses zwischen unabhängigen Sportorganisationen und staatlicher Förderung heraus. Peter Danckert gelingt es, die großen Möglichkeiten der Förderung des Sports in einer freiheitlichen Gesellschaft darzustellen, ohne damit der Vereinnahmung des Sports durch den Staat das Wort zu reden – im Gegenteil.“

Der Autor stellt wesentliche Akzente der Arbeit des 1969 erstmalig eingesetzten Sportausschusses vor (im Vorfeld von München 1972 hieß das damals eingesetzte Gremium zunächst „Sonderausschuss für Sport und Olympische Spiele“). Nachgezeichnet wird in kompakter Form die Historie der Sportpolitik; besonders berücksichtigt wird in der Darlegung der Missbrauch des Sports durch machtpolitische Interessen im Altertum, im Mittelalter und in der Neuzeit wie in den beiden deutschen Diktaturen: in der NS-Zeit von 1933 bis 1945 und in der damaligen SBZ/DDR von 1945 bis 1989.

Ausführliche Kapitel beschäftigen sich mit sportpolitischen Akzentsetzungen des Parlaments und des Sportausschusses, der sich – so Peter Danckert – im Laufe der Jahre vom wohlmeinenden Wegbegleiter der Sportbewegung zu einem aufmerksamen beobachtenden Förderer entwickelt hat. Durch die Arbeit des in dieser Legislaturperiode stets öffentlich tagenden Ausschusses gaben die Fachpolitiker der neuen Sportdachorganisation DOSB entscheidende Hinweise, Empfehlungen, aber auch Vorgaben, gesellschaftspolitisch wichtige Positionen zum Maßstab der Dinge zu erheben. - Dies gilt vor allem für diese Themen:

DOPING: Ein cleveres Kontrollsystem wurde von der unabhängigen Nationalen Anti-Doping-Agentur (NADA) im Wesentlichen durch Danckerts Initiativen entwickelt. Die Rechtsverschärfungen für den Anti-Doping-Kampf wurden nach längeren Debatten in der Großen Koalition vom Bundestag beschlossen. Weitere gesetzgeberische Initiativen zur Bekämpfung der betrügerischen Manipulation im Sport werden vom Autor gefordert. Zudem kritisiert er, dass der DOSB seinen Beitrag zur Finanzierung der NADA auf 260.000 Euro begrenzt hat, nachdem einmal im Jahr 2007 der Ansatz verdoppelt worden war.

SPITZENSPORT: Danckert erneuert sein Bekenntnis für einen humanen, dopingfreien Spitzensport, fordert aber vom DOSB, nunmehr endlich die Weichen für eine Reform der Strukturen zu stellen. Gerade die letzte Sportausschusssitzung am 21. Januar 2009 habe deutlich gemacht, dass die operative Spitze der Dachorganisation kein Konzept hat, um eine Verbesserung der Betreuung der Athleten und eine Stärkung des Trainerberufs anzustreben. Einen DOSB-Trainerpreise und die Forderung, der Bund möge mit einer Mittelsteigerung eine Gehaltsanpassung ermöglichen, verdrängten die Lösung von Grundfragen, die vom organisierten Sport kommen müsse, meint der Autor.

AUTONOMIE: Eine lupenreine Autonomie des Sports gibt es nach Meinung des Verfassers nicht. Wenn der Staat Mittel aus dem Bundeshaushalt und somit Steuergelder in Anspruch nimmt, habe er konsensfähige gesellschaftliche Normen einzuhalten. Das bedeutet vor allem, dass der Zuwendungsempfänger, also vornehmlich die Spitzenverbände, die Mittel effektiv und zielgerichtet einzusetzen haben.

STAATSZIELBESTIMMUNG SPORT: Der Autor legt ausführlich dar, warum es so schnell wie möglich zu einer Verankerung des Sports als Schutz- und Förderziel ins Grundgesetz kommen muss. Gerade vor den Haushaltsberatungen für 2010 und die folgenden Jahre, bei denen Leistungen des Bundes möglicherweise aus fiskalpolitischen Notwendigkeiten zurückgeschraubt werden könnten, ist eine Absicherung der Sportförderung in der Verfassung wichtig. Zudem plädiert der Parlamentarier für ein Sportfördergesetz, das die intransparenten Richtlinien des Bundesinnenministeriums ersetzen müsse.

Weitere Forderungen werden im letzten Kapitel des Buchs beschrieben:
1. Neue Finanzierungsquellen für den Vereinssport erschließen
2. Ein neuer bundesweiter Goldener Plan muss aufgelegt werden
3. Stiefkind Schulsport – Nationaler Bildungsrahmen für Sport ist nötig
4. Stärkung des Ehrenamts durch konsequenten Bürokratieabbau
5. Verstärkt internationale sportliche Großveranstaltungen fördern
6. Die Nationale Anti-Doping-Agentur ist weiter zu stärken
7. Die Förderung des Leistungssports für Menschen mit Behinderungen ist auszubauen
8. Wir brauchen ein Bundesministerium für Jugend und Sport

Dr. Peter Danckert, geb. am 8. Juli 1940 in Berlin, ist seit 1998 direkt gewähltes Mitglied des Deutschen Bundestages. Der Jurist (Rechtsanwalt und Notar) blickt auf eine lange aktive Sportkarriere zurück. Er ist Präsident des Landesverbandes Pferdesport Berlin/Brandenburg.

 

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